Kulturkarte Stade & Landkreis

 

Stadtentwicklung 

 

Stade ist wohl eine der ältesten Städte Norddeutschlands. Die ersten Siedler kamen bereits 1000 Jahre v. Chr. in die Gegend um Stade. Um 650 n. Chr. entstand dann eine erste befestigte Siedlung mit Schiffslände ca. 4 km südwestlich der heutigen Altstadt, die oft fälschlich alsSchwedenschanze bezeichnet wurde. In Wahrheit handelt es sich wahrscheinlich um die älteste in Norddeutschland erhaltene frühmittelalterliche Burganlage. Diese wurde um 800 aus unbekannten Gründen aufgegeben und auf den in das Urstromtal der Elbe hineinragenden, verkehrsgünstigen Geestsporn verlegt, der die geographische Keimzelle der heutigen Stadt ist.

 

Bis ins 13. Jahrhundert war Stade der einzige natürliche Hafen zwischen Cuxhaven und Harburg und ein strategisch wichtiger Übergangsort über die Elbe, hier traf sich die Handelsstraße, die als Ochsenweg von Jütland durch Schleswig-Holstein zum Stade gegenüberliegenden Fährhafen Itzehoe verlief, mit den zwei alten Fernhandelswegen Richtung Paderborn und Hannover.

 

Im Jahre 994 wurde die Siedlung von den Wikingern geplündert und Stade als Stethu wurde das erste Mal erwähnt (Wikingerüberfall auf Stethu in Annales, chronica et historiae aevi Saxonici von Thietmar von Merseburg). Um das Jahr 1000 wurde die natürliche Schiffslände zum heutigen Alten Hafen ausgebaut. Die Stadt bestand nun aus fünf Vierteln. Einmal aus dem Klosterviertel mit dem Kloster St. Georg am heutigen Pferdemarkt, zum zweiten aus dem Kaufmannsviertel längs der heutigen Hökerstraße. Drittens war an der Bischofskirche St. Wilhadi ein Bischofsviertel des Bischofs von Bremen entstanden. In der heutigen nördlichen Altstadt gab es viertens das Fischerviertel und schließlich das Burgviertel der Grafen von Harsefeld, später von Stade. Jeder Stadtteil hatte seine eigene Kirche: St. Georg (Klosterviertel)Ss. Cosmae et Damiani (Kaufmannsviertel), St. Wilhadi (Bischofsviertel), St. Nicolai (Fischerviertel) und St. Pankratii (Burgviertel). Zeitweise gab es in Stade zwei Währungen, die des Grafen und die des Bischofs.

 

Nach dem Aussterben der Grafen von Stade (Udonen) fiel Stade an Heinrich den Löwen. Nach dessen Entmachtung 1180 war es zwischen dem Erzbistum Bremen und den Welfen umstritten, was die Stadt für ihre Zwecke ausnutzte. 1209 verlieh Kaiser Otto IV. Stade das Stadtrecht, das Bremen 1259 bestätigte, zusammen mit dem Stapelrecht und der Befreiung von der Heerfahrt. Stade wurde bereits in deren Anfangszeit Mitglied der Hanse.

 

1279 gab sich der Bürgerrat eine eigene Verfassung, die sogenannten Stader Statuten. Ab 1361 besaß Stade das Recht, Bündnisse zu schließen, und damit zwar nicht rechtlich, aber faktisch den Status einer Freien Reichsstadt. Mit der Reformation, die in Stade maßgeblich von den Mönchen von St. Georg befördert wurde, wurde die Stadt evangelisch. Die erste lutherische Predigt hielt Johann Hollmann bereits im Jahre 1522.

 

Im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg von 1675 bis 1676 wurde das schwedische Stade während eines Feldzugs durch mehrere Staaten des Heiligen Römischen Reiches und Dänemark erobert und blieb bis zum Kriegsende 1679 in alliiertem Besitz. Dabei wurde Stade als Hauptsitz der schwedischen Statthalterschaft von Anfang April 1676 bis zum 13. August 1676 belagert. Im Zuge des Frieden von Saint-Germain im Jahre 1679 fiel Stade wieder an Schweden.Stades Blütezeit reichte bis in den Dreißigjährigen Krieg hinein. 1628 eroberte Tilly die Stadt, kurz darauf brachten die Schweden es in ihren Besitz (bis 1636). Nach einer dänischen Besatzung eroberten die Schweden sie endgültig 1643 und erhielten sie zusammen mit dem Erzbistum Bremenim Westfälischen Frieden auch offiziell zugesprochen. Beim großen Stadtbrand am 26. Mai 1659 brannten zwei Drittel der Stadt nieder. Die Stadt wurde mit unverändertem Grundriss wieder aufgebaut.

 

Eine besondere Rolle für den Handel auf der Elbe spielte die bei Stade gelegene Elbzollstation in Brunshausen an der Schwingemündung, die seit der erzbischöflichen Zeit bestand. Die Schweden stationierten 1663 erstmals eine Elbzollfregatte als permanentes Wachschiff. Diese Einrichtung blieb unter verschiedener Herrschaft bis 1850 bestehen, die Zollstation auf der Schwinger Schanze bis 1865.


Die schwedische Herrschaft endete 1712. Dänische Truppen belagerten die Stadt im Großen Nordischen Krieg und setzten sie vom 29. August bis zum 7. September 1712 einem Bombardement aus, bei dem 152 Wohnhäuser - ein Viertel der bebauten Fläche zerstört wurden. Auf friedlichem Wege, durch vertragliche Vereinbarung, kam die Stadt 1715 in Hannoveraner Besitz. Am 17. November 1719 gab Schweden seine Ansprüche auf das Herzogtum Bremen-Verden im Vertrag von Stockholm auf und beendete damit die Konfrontation.[3] Wirtschaftlich war Stade zu diesem Zeitpunkt geschwächt. Die Infrastruktur des Hafens hatte unter Bränden und Belagerungen des letzten Jahrhunderts keine weiteren Modernisierungen mehr erfahren, Stade verlor an Bedeutung im Fernhandel, die Stadt hatte 1712 zudem eine Pestepidemie erlebt. Die Stadt blieb als Garnisionsstandort vor allem von strategischer Bedeutung. Zwischen 1803 und 1806 erlebte sie nach Eroberung durch die Franzosen am 18. Juni 1803 und dem nachfolgenden Abzug verschiedene europäische Besatzungstruppen. Hannover verlor die Stadt in den Wirren der Auseinandersetzungen dabei 1806 an Preußen. Bis zur Bezirksreform 1978 war Stade in Nachfolge der hannoverschen Landdrostei Stade ab 1866 Sitz eines zunächst preußischen, ab 1946 dann niedersächsischen Regierungsbezirks, welcher im Wesentlichen die historischen Herzogtümer Bremen und Verden umfasste. Auch als Garnisonsstadt hatte Stade seit der Schwedenzeit Bedeutung.

 

In den Jahren 1919–1922 wurde ein Plan entwickelt, vom nördlichsten Punkt des Mittellandkanals bei Bramsche ausgehend einen Kanal zu bauen, der bei Achim die Weser überqueren und bei Stade in die Elbe münden sollte. Zunächst wurde diesem Projekt der Name „Bramsche-Stade-Kanal“, später der Name „Hansakanal“ gegeben. Dieses nie realisierte Projekt wurde in den 1950er Jahren endgültig aufgegeben.

 

Hansestadt 

Da Stade sich durchgehend als Hansestadt verstanden hat und die Stadt diese Bezeichnung auch immer inoffiziell verwendet hat, gab es seit 2005 Bemühungen, diesen Titel auch offiziell vom niedersächsischen Innenministerium verliehen zu bekommen.

 

Nachdem ein erster Antrag abgelehnt wurde, war dieses Begehren schließlich von Erfolg gekrönt. Nach zwei Jahren Streit um das Namensrecht wird Stade im Dezember 2008 offiziell Hansestadt. Nach Lüneburg ist Stade die zweite Stadt Niedersachsens, die sich „Hansestadt“ nennen darf. „Eine erneute Bewertung Ihres Antrages (…) hat ergeben, dass der durchgängige Charakter Stades als Seehafenstadt es (…) rechtfertigt, die hansische Vergangenheit der Stadt auch in der Gegenwart als ausreichend prägend einzustufen. Stade verfügt mit dem Seehafen über ein Alleinstellungsmerkmal, das die Stadt signifikant von allen anderen ehemaligen Hansestädten in Niedersachsen unterscheidet.“ schrieb der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann mit Datum vom 26. November 2008 an Stades Bürgermeister Andreas Rieckhof.

 

Die feierliche Übergabe der Urkunde, mit der der Titel „Hansestadt“ verliehen wurde, ist im Rahmen der Feiern zum 800. Jubiläum des Stader Stadtrechtes am 29. April 2009 durch Ministerpräsident Christian Wulff erfolgt.